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Story 128 – 1982 – Innovation Prozesse

Vom Tuschestift zur Maus

Wie die CAD-Technologie das Konstruieren revolutioniert

1982 kommen bei Wieland erstmals CAD-Systeme zum Einsatz. Schnell lösen sie Reißbrett und Tuschestift in den Konstruktionsabteilungen ab. Heute sind sie nicht mehr wegzudenken, werden bereits zur Roboterprogrammierung eingesetzt und eröffnen mit Virtual Reality (VR) ganz neue Möglichkeiten.

Von der Gründung des Unternehmens an verläuft die Konstruktion von Glocken, Ziehmatrizen und Werkzeugen über Jahrhunderte nach dem gleichen Muster: Von Hand fertigen die Techniker und Ingenieure detaillierte Zeichnungen an – ein Prinzip, das viel Vorstellungskraft verlangt und äußerst aufwändig ist. Daran ändert sich auch nichts, als im 20. Jahrhundert das Reißbrett Einzug in die Konstruktionsbüros hält und die Anforderungen an die technischen Zeichnungen immer höher werden. Entwürfe werden zunächst mit Bleistift ausgeführt und dann mit Tusche abgepaust, für jedes Konstruktionsteil müssen verschiedene Schnitte angefertigt werden. Das Problem: Werden danach nochmals Änderungen nötig, beginnt die ganze Arbeit von vorn. Und ob die Konstruktion wirklich wie geplant funktioniert, zeigt sich erst im praktischen Einsatz.

Es ist ein amerikanisches Start-Up, das Anfang der 1960er-Jahre erstmals völlig neue Wege geht und Steuerungen für Bearbeitungsmaschinen mittels Lochkarten entwickelt. Daraus entstehen ein Jahrzehnt später erste Ansätze, einfache Zeichenfunktionen in das Programm zu integrieren – die Idee des Computer Aided Designs (CAD) ist geboren. Allerdings: Die IT-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und ist extrem teuer. Erst 1981 gibt es eine CAD/CAM-Software (Computer Aided Manufacturing), die weniger als 100.000 US-Dollar kostet.

Dennoch erkennt Wieland früh die Zeichen der Zeit und installiert 1982 das erste CAD-System. Und sorgt damit für eine bisher nicht mögliche Variabilität und Schnelligkeit in den Konstruktionsprozessen. Heute sind bei Wieland eine Vielzahl an CAD- und CAM-Lizenzen des Systems SIEMENS NX im Einsatz – in der Gleitlagerfertigung ebenso wie bei der Programmierung von Fräs-, Erodier- und Drehmaschinen, bei der Modellierung von Wärmetauschern, bei der Konstruktion von Ziehmatrizen und in der Anlagentechnik. Wegen der Durchgängigkeit des Systems werden dabei Fehler durch Medienbrüche vermieden.

Und die Zukunft bringt weitere Möglichkeiten. Schon jetzt werden Roboter programmiert, etwa zum Anspitzen von Profilen. Künftig werden 3D-Simulationen für Virtual-Reality-Anwendungen (VR) genutzt werden. Werkzeugmaschinen, aber auch ganze Fertigungsstraßen, können dann in den Konstruktionsbüros, gleichwohl auch im Vertrieb und Marketing schon vor ihrer Realisierung virtuell „in Betrieb genommen“ werden.

Konstruktionsbüro

Längst Vergangenheit: Große Reißbretter prägten jahrzehntelang die Konstruktionsbüros, „Technischer Zeichner“ war ein anspruchsvoller Beruf für Menschen mit einer ruhigen Hand.

handgefertigte Zeichnung

Beeindruckendes Beispiel: Die handgefertigte Zeichnung für eine Druckprüfvorrichtung von 1976 zeigt, wie aufwändig das Konstruieren in der analogen Zeit war.

gerenderte CAD-Anwendung

Eine CAD-Anwendung aus der Business Unit Engineered Products: Das Stanzwerkzeug wird zur Erstellung von Kupferstäben eingesetzt.